Kurzportrait
Die heute noch lebenden Faultiere werden in zwei Gattungen unterteilt: Zweifinger-Faultiere (mit zwei Arten) und Dreifinger-Faultiere (mit fünf Arten). Das Zweifinger-Faultier ist ein baumbewohnender Blattfresser der tropischen Regenwälder Südamerikas. Es hat einen Kopf mit kurzer Schnauze, kleine nach vorne gerichtete Augen und kleine, im Fell verborgene Ohren.
Sein Körper ist gedrungen, mit dichtem, grob wirkendem Fell in Grau- bis Braunabstufungen, manchmal aufgrund des Algenbewuchses mit grünlichem Schimmer. Charakteristisch sind die großen, gebogenen Krallen an den Vordergliedmaßen mit zwei sichtbaren Fingern, die das Hängen kopfunter an Ästen ermöglichen. An den Hinterfüßen hat das Zweifinger-Faultier jedoch je drei Zehen mit drei Krallen. Die Hände und Füße sind so gelenkig, dass sie um 180° gedreht werden können.
Die Tiere bewegen sich sehr langsam und sparen Energie: Herzfrequenz und Körpertemperatur sind niedrig, der Magen-Darm-Trakt arbeitet langsam und ist auf faserreiche Blätter spezialisiert. Die Kotabgabe erfolgt meist nur einmal pro Woche am Boden. Zweifinger-Faultiere sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv und leben einzelgängerisch. Sie verbringen fast ihr gesamtes Leben hängend an den Ästen, sie können allerdings gut schwimmen und zum Baumwechsel auch Bäche überqueren. Auch die Paarung und die Geburt erfolgt an den Ästen. Nach einer Tragzeit von rund 10 bis 11 Monaten wird ein einzelnes Jungtier geboren, das sich am Bauch der Mutter festhält und mehrere Monate gesäugt wird. In menschlicher Obhut können Faultiere sehr alt werden, teilweise erreichen sie 40 Jahre oder mehr.
Gefährdung
Zu den natürlichen Fressfeinden zählen Nasenbär, Jaguar, Ozelot oder Anakonda. Die Art gilt insgesamt als nicht unmittelbar gefährdet, lokal bedrohen jedoch Abholzung, Jagd und Zerschneidung des Lebensraums die Bestände.
Artenvergleich
Das Braunkehl-Faultier (Bradypus variegatus) zählt zu den Dreifinger-Faultieren (Foto oben rechts). Es ist kleiner und leichter gebaut. An den Vorderfüßen befinden sich – wie auch an den Hinterfüßen – drei Finger mit drei Krallen. Das Fell variiert von grau bis braun, das Gesicht erscheint gelblich hell mit dunklem Augenstreif. Das Braunkehl-Faultier ist stärker an geschlossene, immergrüne Baumkronen gebunden und ernährt sich sehr spezialisiert von wenigen Baumarten, dadurch reagiert es empfindlicher gegenüber Veränderungen. Zweifinger-Faultiere sind dagegen anpassungsfähiger und nehmen ein breiteres Nahrungsspektrum an. Ein bedeutender Fressfeind ist die Harpyie, ein Greifvogel, der sich auf den Fang von Faultieren und Affen in den Baumkronen spezialisiert hat. Die Faultiere werden häufig auch von Parasiten sie Flöhe, Moskitos und Milben befallen. Bei manchen Faultieren erscheint das Fell grünlich: Dies wird durch Algenbewuchs verursacht. Die im Fell lebenden Faultiermotten geben Stickstoffverbindungen in das Fell ab, was den Algenbewuchs fördert. Wenn die Faultiere durch Ablecken ihr Fell pflegen, nehmen sie die Algen auf. Diese stellen eine bedeutende Ergänzung für die Ernährung dar.

