Der Wolf ähnelt einem sehr großen Schäferhund, er besitzt jedoch einen breiteren Kopf, einen Backenbart und einen buschigen bis zu einem halben Meter langen Schwanz, der Lunte genannt wird und gegen die Spitze dunkler wird. Wölfe besitzen ein hervorragendes Gehör, sie können sehr gut sehen und haben ein ausgezeichnetes Geruchsempfinden. Die Färbung des Fells variiert stark, es kommen Exemplare von ganz hellgelbbraun, über graubraun bis fast schwarz vor. Die Wölfe Russlands und Nordamerikas können eine Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 1,60 Meter und ein Gewicht von 160 Kilogramm erreichen. Im Orient und auf der arabischen Halbinsel sind die Wölfe wesentlich kleiner und nur etwa halb so groß und schwer. Das Männchen nennt man in der Jägersprache Rüde, das Weibchen Wölfin oder Fähe, das Jungtier Welpe. Die Gebissformel des Raubtiergebisses lautet jeweils pro Kieferhälfte oben 3/1/4/2 und unten 3/1/4/3, damit hat der Wolf wie die meisten Hunde insgesamt 42 Zähne. Die Fährte des Wolfes ähnelt einem Haushund, die Abdrücke der Zehenballen erscheinen aber etwas länger und die Krallenabdrücke sind deutlicher. Ein Wolf ist deutlich größer als ein Goldschakal, der nur eine Kopf-Rumpf-Länge von knapp einem Meter erreicht.
Lebensweise
Wölfe leben in sozialen Gemeinschaften. Innerhalb dieser Rudel herrschen strenge Rangordnungen, wenn die Wölfe in Gefangenschaft leben. In freier Wildbahn sind diese Rangordnungen weniger streng ausgelegt. Hier besteht das Rudel aus einer Familie mit Eltern und Jungwölfen. Es beansprucht ein Revier, das an den Grenzen mit einer Markierung aus Harn versetzt wird. Dieser Duft an Sträuchern, Bäumen oder Steinen signalisiert den benachbarten Rudeln, dass hier ein Wolfsrevier beginnt. Das Heulen in der Gemeinschaft ist ein weiteres Mittel, um den Revieranspruch zu betonen.
Im Winter legen sich die Wölfe ein sehr dichtes Winterfell zu. Mit dem Ausgang des Winters beginnt die Paarungszeit, die Ranz. Vor der Geburt graben die Eltern eine Erdhöhle. Diese enthält zwei Eingänge und eine große Kammer. Nach einer Tragezeit von etwa 10 Wochen wirft die Wölfin meist vier bis sechs Welpen, die bei der Geburt noch blind und taub sind. Nach zwei Wochen können sie sehen und beginnen dann auch zu laufen. Nach einer weiteren Woche verlassen sie die Höhle und spielen mit den Mitgliedern der Familie. Sie werden bis zur siebten oder achten Woche gesäugt. Aber schon nach der dritten Woche beginnen sie, Nahrung zu sich zu nehmen, die ihnen die anderen Familienmitglieder bringen. Nach 22 Monaten sind sie geschlechtsreif. In der Wildnis lebende Wölfe können zehn bis zwölf Jahre alt werden. In Tierparks erreichen sie bis zu 17 Lebensjahre.
Nahrungserwerb
Wölfe ernähren sich von Rehen, jungen Wildschweinen und Hirschen, aber auch von kleineren Säugern. Im Gebirge jagen sie nach Schafen oder Steinböcken. Bei Nahrungsmangel erbeuten sie manchmal auch Haustiere oder fressen Aas. Die Jagd findet meistens im Rudel statt. Dieses schleicht sich so weit wie möglich an das Beutetier heran und hetzt es auf kurze Distanz, sobald es flüchtet. Angegriffen werden vor allem junge, ältere, kranke oder verletzte Beutetiere. Längere Hetzjagden finden eher selten statt.
Feinde und Gefahren
Im 18. und 19. Jahrhundert wurde der Wolf intensiv gejagt, zwischenzeitlich galt er in Mitteleuropa fast als ausgestorben. Im Jahr 1904 wurde der letzte in freier Wildbahn lebende Wolf in Deutschland geschossen. Neuerdings gibt es jedoch wieder Bestände in Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Auch in Spanien, in Italien oder in einigen Balkanstaaten nehmen die Bestände wieder zu. In den deutschen Bundesländern Sachsen und Brandenburg leben wieder einige Rudel, die aus Polen eingewandert sind. Der Wolf ist ein Tier, das unter Artenschutz steht, er darf in Europa heute nicht mehr gejagt werden. Abschüsse durch Jäger sind vorwiegend auf Verwechslungen zurückzuführen. Da Wölfe Schafe und Ziegen fressen, sind sie bei deren Besitzern nicht gerade beliebt. Ein Abschuss bedarf einer behördlichen Genehmigung.
Artenvergleich
Der ähnliche Goldschakal Canis aureus Linnaeus ist aus dem Balkan nach Mitteleuropa eingewandert. Das goldgelbe Fell verlieh diesem Tier aus der Familie der Hunde seinen Namen. Der Goldschakal ist im Vergleich zum Wolf deutlich kleiner, die Kopf-Rumpf-Länge erreicht kaum einen Meter. In der Größe liegt er etwa zwischen Wolf und Fuchs. Auffällig sind die weißen, nicht durchgehenden Flecken am Hals und an der Brust, die deutlich kleineren, auf der Rückseite hellen Ohren und der kürzere Schwanz mit dunkler Spitze, der beim Hängen nicht über das Sprunggelenk hinaus geht.
Fotos und Zeichnungen

