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Kurzschnabelgans
Lateinisch: Anser brachyrhynchus 
Englisch: Pink-footed Goose 
Französisch: Oie à bec court 
 
Klasse: Vögel 
Ordnung: Entenvögel 
Familie: Entenverwandte 
Unterfamilie: Gänse 
Größe: bis 72 cm 
Lebensraum: arktische Küsten, Salzwiesen
Die Kurzschnabelgans kann auf Entfernung mit einer Saatgans verwechselt werden. Die Füße sind rosafarben, über den kurzen, dreieckigen Schnabel verläuft ein rosafarbenes Band. Sie ist sehr ruffreudig, die Rufe klingen ähnlich wie bei den anderen Gänsen, insgesamt jedoch höher. Im V-förmigen Flug hört man oft das gänseartige "Wick-wick".
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Kurschnabelgänse können sich hervorragend als "Stein" tarnen,
Diese junge Gans hat noch nicht gelernt, ihren Kopf einzuziehen.
Die Brutgebiete der Kurzschnabelgans liegen in Spitzbergen, Grönland und Island. In den wasserreichen Hochebenen des isländischen Hochlands kann man im Sommer - besonders in den frühen Morgenstunden - die Gänse von der Ringstraße aus zwischen dem Myvatn und den Ostfjorden beobachten. Sie sind außergewöhnlich scheu und flüchten sofort zu Fuß, wenn sie einen Menschen wahrnehmen oder wenn ein Auto anhält. Dabei bewegen sie sich zielstrebig und unglaublich schnell, sie können in kurzer Zeit einen Kilometer oder mehr überbrücken. Bei Gefahr tarnen sie sich, in dem sie regungslos in eine Erdpalte sitzen oder ihren Kopf einziehen. Selbst ein geübtes Auge kann eine regungslos sitzende und perfekt getarnte Kurzschnabelgans nicht einmal aus fünf Metern Entfernung erkennen.
Die Scheu hängt vielleicht damit zusammen, dass Kurzschnabelgänse stark von ihren Brutplätzen abhängig sind. Daher müssen ihre Brutplätze unbedingt durch Naturschutzmaßnahmen erhalten werden. Das Weibchen baut ein Grasnest am Boden, während das Männchen den Brutplatz bewacht. Gerne werden dazu auch gut geschützte Ränder oder Abhänge bei abgelegenen Seen aufgesucht. Der Koloniebrüter hat ein ausgefeiltes Warnsystem, er kooperiert dabei mit anderen Vögeln wie mit dem Eistaucher, der bei Gefahr seinen typischen Warnruf absetzt. Dieser hallt über einen gesamten See von der Fläche mit mehreren Quadratkilometern. Eindringlinge werden schon aus größter Entfernung erkannt und eingeschätzt. Es ist praktisch unmöglich, sich einer Kurzschnabelganskolonie unbemerkt zu nähern. Dies ist von Bedeutung, da es Polarfüchsen manchmal gelingt, sich gut getarnt in Gräben anzuschleichen oder auf die Lauer legen. Das Weibchen legt drei bis sieben weiße Eier in das mit Dunen ausgekleidete Nest. Nach dreieinhalb Wochen schlüpfen die jungen Gänse. Es sind Nestflüchter, die sofort zu laufen beginnen und schon nach zwei Monaten fliegen können. Kurzschnabelgänse fressen im Sommer gerne Moose, Wurzeln oder Blätter und Knospen von arktischen Blütenpflanzen, im Winter auch Gräser und Kräuter. Wenn sie im Herbst nach Schottland oder in andere Winterquartiere kommen, fallen sie in Felder ein und fressen auch Kulturpflanzen wie Kartoffeln. Dabei ist es möglich, dass sie von ihrem Schlafplatz an der Küste bis zu 30 Kilometer landeinwärts laufen, um an Nahrung zu kommen.
Copyright: Thomas Seilnacht